Plakat 

10. November 2018, 19:00 Uhr,

Höchstädt, Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Konzert "In Pace"-

400 Jahre "Prager Fenstersturz" und 370 Jahre "Westfälischer Friede"­­

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"In Pace"

 

unter diesem Motto präsentieren das Vokalensemble „Musica aliter“ zusammen mit dem Instrumentalensemble „Concertino Castello Nuovo“, auf Nachbauten historischer Instrumente, am Samstag, den 10.11.2018 um 19:00 Uhr in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Höchstädt ein nicht alltägliches Konzertprogramm.

 

Anlässlich der 400. Wiederkehr des „Prager Fenstersturzes“, der den Beginn des 30-jährigen Krieges markierte, erklingen Vokal- und Instrumentalkompositionen, sowie Gedichte aus der Zeit des 30-jährigen Krieges.

 

Das Konzert unter Leitung von Viktor Töpelmann, beginnt mit einer Lacrimae-Pavane des englischen Komponisten John Dowland.

Danach wendet sich das Programm mit einer doppelchörigen Canzone von Giovanni Gabrieli und der sechsstimmigen Vertonung der „Lauretanischen Litanei“ von Claudio Monteverdi dem musikalischen Kraftzentrum der stark marianisch geprägten katholischen Kirchenmusik von San Marco in Venedig zu.

 

Wie wenig dogmatisch und verkrampft die Musiker der damaligen Zeit mit den konfessionellen Unterschieden umgingen mag die Tatsache belegen, dass Heinrich Schütz, der bedeutendste evangelisch-deutsche Komponist vor J. S. Bach, mit einem Stipendium seines Calvinistischen Dienstherren Landgraf Moritz von Hessen-Kassel in Venedig bei Gabrieli den neuen Musikstil der „Venezianischen Mehrchörigkeit“ studieren konnte.

Die erworbenen Fähigkeiten stellte Heinrich Schütz 1619 mit der opulenten Vertonung der „Psalmen Davids“ unter Beweis. Hieraus wird die Vertonung des Psalms 110 zur Aufführung kommen.

Knapp 30 Jahre später, nachdem Europa in Leid und Elend versunken war, ergänzte Schütz die Vertonung des Luther-Chorals „Verleih uns Frieden“ mit  der Komposition „Gib unseren Fürsten“, einer Bitte, unter einem „guten Regiment der Fürsten“ ein „geruhig und stilles Leben“ führen zu dürfen.

 

Zwischen den Vokalkompositionen erklingen Instrumentalwerke von Johann Heinrich Schmelzer, Hofkomponist Kaiser Leopold I, Heinrich Ignatz Franz Biber und dem Pfalz-Neuburger Hofkomponisten Biagio Marini. Obwohl allesamt nach dem Krieg komponiert worden waren, bedeutete das nicht, dass es friedliche Zeiten waren. Denn auch nach 1648 gingen die teils religiös motivierten Kriegshandlungen, wenn auch eher lokal begrenzt, weiter.

Ist die Passacaglia Marinis noch im melancholischen Ductus der Dowland Pavane gehalten, so erklingt mit Schmelzers „Fechtschule“, in der die täglichen Waffenübungen der Edelleute fürs Kriegshandwerk musikalisch dargestellt werden, ein Paradebeispiel für die sich an den Fürstenhöfen neu entwickelnde ausdruckstarke Musikkultur.

Diese bemühte sich, die bedrohliche politische Gesamtlage und das tägliche Elend mit künstlerischen Mitteln zu überzeichnen, um sie für die Menschen erträglicher zu machen. Biber gar treibt das Genre auf die Spitze und lässt in seiner Battalia eine ganze Feldschlacht musikalische vor dem inneren Augen der Zuhörer vorbeiziehen.

 

In Gedichten aus der Kriegszeit von Georg Philipp Harsdörffer, Andreas Gryphius und Sigismund von Birken werden die Seelenzustände der Bevölkerung von unendlichem Leid und Resignation über Friedenshoffnung bis hin zur Friedenshymne nach Abschluss des Westfälischen Friedens in der teils sehr drastischen bildhaften Sprache des Frühbarock widergespiegelt.

 

Zum Abschluss des Konzertes erkling mit dem doppelchörigen „Deutschen Magnificat“ das Opus ultimum von Heinrich Schütz. Dieses 1671 komponierte letzte Werk des 86-jährigen Schütz greift bewusste die „altmodische Kompositonsweise“ seines venezianischen Lehreres Gabrieli wieder auf. Damit schließt sich der Kreis zu der Zeit vor dem verheerenden Krieg, als zumindest in der Musik die vermeintlichen Gegensätze zwischen Lutheranern und Katholiken eine fruchtbare Symbiose eingingen und einfach nur großartige Musik hervorbrachten.

 

Das Konzert findet mit freundlicher Unterstützung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt und des Historischen Vereins Höchstädt statt.

 

Der Eintritt ist frei – Spenden zur Deckung der Unkosten erbeten!